Funchal > Funchal Jazz Festival

Die aktuellen Zahlen sind nicht so gut. Gut 50.000 Touristen weniger seien im Vergleich zum Vorjahr bisher nach Madeira gereist, schreibt die örtliche Tageszeitung auf ihrer Titelseite. Dabei sind die Spuren des schrecklichen Unwetters auf der Blumeninsel im Atlantik im Februar an den meisten Stellen nicht mehr zu sehen. Die Hauptstadt Funchal, mit am schwersten getroffen, ist schön wie eh und je. Und das Wetter beim diesjährigen "Funchal Jazz Festival": einfach nur brilliant!

Trotz der hohen Kosten bei der Behebung der Unwetterschäden – bei der Kultur wurde auf Madeira dennoch nicht gespart. Und so bot das dreitägige Jazzfestival wieder ein gewohnt hochklassiges Programm vor atemberaubender Kulisse. Denn der mitten in der Hauptstadt der Insel gelegene Parque de Santa Catarina, mit seiner abschüssigen Rasenfläche einem Amphitheater ähnlich und mit seiner einmaligen Sicht auf das am Abend wundervoll beleuchtete Funchal eine prächtige Kulisse, ist längst in den Herzen der Jazzfans angekommen. Der letztjährige Umzug in diesen Park wegen Bauarbeiten an der vorherigen Spielstätte hat sich gelohnt. Noch mehr Menschen strömen zum jährlichen, absoluten Jazzhighlight der Insel.

Musikalisch bot die elfte Festival-Ausgabe wieder eine breite Palette. Die reichte von der eleganten brasilianischen Sängerin Jane Duboc, die nicht nur mit Songs von Egberto Gismonti verwöhnte, sondern auch die Stones-Nummer "Sweet Lady Jane" in ein smoothes Brazil-Kleidchen steckte, über Al Di Meolas "World Sinfonia" mit dem fantastischen, italienischen Akkordeonisten Fausto Beccalossi bis hin zum Kenny Barron Trio, der durch den Saxofonisten David Sánchez verstärkt stilvoll durch die Jazzgeschichte musizierte.

Erst zum vierten Mal überhaupt war dagegen das Projekt "Vozes 3" zu hören. Die drei portugiesischen Stimmen Maria João, Maria Viana und Maria Anadon zeigten zunächst einzeln, wie unterschiedlich sie doch sind. Maria João, nur von Keyboarder João Farinha begleitet, mit ihrer leicht infantilen Stimmakrobatik, aber auch zarten, berührenden Momenten; Maria Viana als gute, klassische Jazzstimme und Maria Anadon mit pfiffigen Jazznummern auf Spanisch. Zusammen gab es zum Schluss dann ein gemeinsames und berührendes Medley, unter anderem mit zwei Songs des großen Zeca Afonso.

Mit ihrem betörenden Mix aus elektrifiziertem Jazz mit einem guten Schuss Soul beschloss die Bassistin und Sängerin Esperanza Spalding das diesjährige, einmal mehr von der Stadtverwaltung von Funchal, der CMF (Câmara Municipal do Funchal), veranstaltete Festival. Die Musik der Amerikanerin, die in erstaunlich gutem brasilianischen Portugiesisch ihre Ansagen machte und damit beim Publikum ebenso punktete wie mit ihrer Klasse-Version von Milton Nascimentos "Ponta de Areia", ist packend. Und Frau Spalding zuzusehen, wie sie gleichzeitig mit ihrem Kontrabass die Songs nach vorne treibt und sich dabei gleichzeitig die Seele aus dem Leib singt, macht Riesenspaß. So wie der Besuch des "Funchal" Jazz Festival auf Madeira, einer Insel im Atlantik, die noch so viel mehr als Jazz zu bieten hat. Text & Fotos: Christoph Giese

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